14 | 11 | 2018
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"Die Lehrerin Mira"

Sein balladenhaftes Gedicht vom 28. Mai 1943 hat Sutzkever der Lehrerin Mira Bernstein (Mire Bernshteyn) gewidmet, welche 1941 mit 130 Kindern ins Kleine Ghetto kam. Es thematisiert in den fünfzehn Strophen das Zusammentreiben der Menschen im Ghetto und wie Mira sich der Kinder annimmt, um sie weiterhin, trotz aller Widrigkeiten und Bedrohungen, zu unterrichten; ihre Schüler werden jedoch, in einer Art grausamen Abzählreim, immer weniger. Innerhalb des Gedichtes wird immer wieder der Kontrast gebildet zwischen den Schülern, deren Zahl durch die ins Ghetto einfallenden Menschenfänger immer weiter sinkt, und der Hoffnung und der Stärke, die Mira ihren Kindern vermitteln will. Als das Kleine Ghetto liqudiert wird, sind von der anfänglichen Schar von Schülern nur noch sieben verblieben, doch Mira bleibt ungebrochen:

Bild von Mira Bernstein

Eh Äxte nicht spalten den Geist ihr, den kühnen,
ist Mira die Blume, die Kinder sind Bienen.
Ergraut ist die Blume, verwelkt ihre Glieder,
im Morgentau öffnet die Blüte sich wieder.

(Sutzkever in Comans 2009, 124)

Mira Bernstein (1908-1943) war eine bedeutende Person in der jüdischen Gesellschaft von Vilnius. Sie leitete vor der Besetzung Wilnas durch die Deutschen das dortige Realgymnasium und dann die Schule im Kleinen (Zweiten) Ghetto. Sie war mitverantwortlich für die Etablierung des Schulsystems innerhalb des Ghettos. Als auch das Große Ghetto im September 1943 liquidiert werden sollte, war sie zu schwach zum Fliehen und kam ins Vernichtungslager Treblinka, wo sie ermordet wurde.

Mehr über Mira Bernstein und die Schulen im Ghetto erfährt man in Sutzkevers Bericht "Wilner Getto". (HIER SPÄTER LINK ZU ARTIKEL DER NOCH VERFASST WERDEN MUSS)

 

Literaturhinweise:

Schröter, Gudrun, auf: http://www.juden-in-europa.de/baltikum/vilna/biographien.htm (13.09.2011)

Sutzkever, Abraham: Die Lehrerin Mira. In: Peter Comans (Hrsg): Geh über Wörter wie ein Minenfeld. Lyrik und Prosa. Frankfurt 2009. S. 123 f.

Bildquelle:

Marc Dworzecki: Jerushaleiym deLite. in kamp un umkum, S. 266. von: http://www.juden-in-europa.de/baltikum/vilna/biographien.htm (13.09.2011)

 

Verfasst von: Diana Moor


[Zur Übersetzung freigegeben - CD]